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Über Go to Rio

GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

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Warum heisst gotorio Go to Rio? Weil wir über alle Orte schreiben - außer Rio.

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Montag
Mai252015

"Spitzner im Oer'schen Hof": Sterne-Wette in Münster

Alle paar Jahre begegnet uns ein Restaurant, bei dem wir uns sicher sind: der Guide Michelin wird bald einen Stern über dem Eingang aufgehen lassen. 2008 hatten wir Recht mit dem “Tafelspitz 1876”, drei Jahre später mit dem “Schorn”. 

Nun haben wir wieder so einen Fall. Und wir wetten: Schon bald wird es in Münster ein zweites Sternerestaurant geben – das “Spitzner im Oer’schen Hof”. 

2012 begegneten wir Karl-Nikolas Spitzner zum ersten Mal. Damals führte er das “Am Aasee” und wir schrieben: Dort scheint ein sympathischer, junger Koch um die 30 gerade seinen eigenen Stil und Weg zu finden - ihn dabei zu begleiten macht richtig Spaß.” Aus dem Flachdachbau mit dem spektakulären Blick ist Spitzner kurz darauf ausgezogen. Dort residiert inzwischen der Möchtegern-Edel-Italiener “Il Divino” von dessen Besuch jedem abgeraten sei, der wert auf guten Service und gutes Essen legt. 

Es war ein wenig still um Spitzner, dann übernahm er ein Traditionshaus: den Oer’schen Hof. Schon lange gab es dort ein Restaurant, das sich aber in sehr biederer Art der französischen Tradition verschrieben hatte. Die Zeiten sind vorbei: ohne Ausgeflipptheit pustet das Spitzner-Team frischen Wind durch das traumhafte, alte Gebäude. 

Denn ein schöneres Ambiente könnte sich ein gehobenes Restaurant kaum wünschen: höchste Decken im Erdgeschoss des Ex-Adelssitzes, der im 18. Jahrhundert vom Barock-Stararchitekten Johann Conrad Schlaun konzipiert wurde, im Souterrain ein Weinkeller mit gekalten Wänden und im Obergeschoss noch ein Dachraum. Während die Bomben des Zweiten Weltkriegs in Münster vieles niedermähten, blieb der Oer’sche Hof verschont – und das merkt man ihm an. 

Schon im Februar besuchten wir das “Spitzner” erstmals und dass wir drei Monate später wieder da sind zeigt, wie gut es uns gefallen hat. Damals zeigte uns der Chef, wie gut er weiterhin Fische beherrscht:

Spitzner macht da weiter, wo er am Aasee aufgehört hat:

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Dienstag
Apr282015

London: die Essenz des Marathons

Es ist Sonntag, kurz nach sechs, und der London Marathon läuft. Immer noch. Nach sechs Stunden. Und noch immer ist es – laut. Richtig laut.

Würden wir es nicht selbst hören und sehen, wir würden es nicht glauben. Mit schwersten Beinen arbeiten wir uns die Fußgängerbrücke am Buckingham Palace hoch, hinter uns liegen 5 Stunden und 10 Minuten Marathon, Medaillen und Kleidersack abholen, durch die Menge kämpfen.

Jene, die unter uns auf der Straße eher gehen denn laufen, werden über eine Stunde mehr brauchen als wir. Und doch werden sie in einer Lautstärke bejubelt, die bei anderen Läufen allein der Spitzengruppe gilt. 

Und dass nicht nur am Ziel. Zwei ruhigere Passagen gibt es auf diesen 42,195 Kilometern, zwei Mal vielleicht ein Kilometer mit vereinzelten Passanten am Rand – der Rest ist: Party. Das ist keine Übertreibung. Man kann nicht übertreiben, was sich an diesem Tag abspielt, es ist ein emotionale Stumwelle aus sportlichem Spaß und Fairness, wie sie wohl nur die Engländer auf die Beine stellen können.

Immer wieder wurde in der Vorberichterstattung der englischen Medien erwähnt, was Marathon ausmacht: Dass es die einzige Massensportart ist, in der jeder Anfänger im genau gleichen Wettbewerb antritt, wie die Besten der Welt. Vielleicht gibt es auch kein Land, dass diese bemerkenswerte Tatsache im gleichen Maß betont, wie den Gigantismus des London Marathon 2015 in Sachen Spitzenathleten. In Deutschland, bin ich mir sicher, würde nur über die afrikanische Elite berichtet. 

Die geht in unserer Startzone, der blauen, ins Rennen. Selbstverständlich werden wir sie nie zu Gesicht bekommen. Gereicht hat es aber auf der Marathon-Expo für ein Selfie mit Emmanuel Mutai und dem Zuhören beim Interview mit Weltrekordler Dennis Kimetto. Überhaupt ist das Bühnenprogramm der Expo höchst unterhaltsam. 

Jene blaue Zone bringt einen Vorteil mit sich: Die Tribünen sind prall gefüllt, eben wegen der Elite. Auch noch, als wir an ihnen vorbeilaufen. Die Schallwelle scheint uns Rückenwind Richtung Greenwich zu geben, Sicherlich über zwei Kilometer stehen die Zuschauer dicht an dicht, schreiend, anfeuernd, unsere Namen rufend. 

Hilfreich ist dabei die Organisation. Drei unabhängige Startbereiche gibt es im Greenwich Park, die erst nach einiger Zeit zusammengeführt werden. Innerhalb der Bereiche sind die Läufer nach Leistung aufgereiht (was natürlich heißt, dass wir uns brav am Ende anstellen). Der Weg dorthin wirkt wie bei einem Rockfestival: Menschen in Funktionsbekleidung spazieren den Hügel hinauf, Musik wummert uns entgegen, mehrere Sponsoren-Ballons stemmen sich dem Wind entgegen.

Die Anreise dorthin ist unproblematisch: Unser Hotel liegt an der Victoria Station, von dort braucht der Zug eine halbe Stunde bis Blackheath. Und gleich gibt es Marathon-Feeling: Hunderte Läufer warten vor der Anzeigetafel auf die Gleiszuteilung des Zugs. 

Mussten wir in Paris über eine Stunde warten, bis wir nach dem Startschuss die offizielle Markierung überlaufen durften, geht es in London geradezu rasend schnell. Schon wenige Minuten nach der Startzeit (einen Schuss oder ähnliches hören wir so weit hinten nicht) kommt Bewegung in die Masse, 15 Minuten nach den Eliteläufern sind auch wir auf der Strecke. Am folgenden Tag schreibt ein mitlaufender Kolumnist des “Telegraph”, die schnellsten Zwischenzeiten seien zwischen den überfüllten Toiletten und der Startzone gemessen worden – erreicht von Läufern, die vom flotten Startablauf überrascht wurden. Jener Text steht leider nicht online, dafür ein anderer: “5 things I learnt from running the London Marathon” - eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich fragen, warum Menschen sich das antun. 

Wie toll so ein Lauftag übrigens sein kann, zeigt unser kleines Staffel-Experiment mit der Facebook-App Riff:

Voll sind nicht nur die Toiletten (eine Austritt-Pause kostet uns 6 Minuten), sondern auch die Strecke:

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Donnerstag
Apr162015

René Redzepi und Jiro Ono: Treffen zweier Meister

Wenn man uns fragt, welches das beste Restaurant ist, das wir bisher besuchten, fällt uns die Antwort leicht: René Redzepis “Noma” in Kopenhagen. 

Genauso einfach die Antwort auf die Frage, welches das beste Sushi unseres Lebens war: das im “Sushi Nakazawa” in New York, dem Restaurant des Lehrlings von Jiro Ono, dem Sushi-Meister aus dem großartigen Film “Jiro dreams of Sushi”. 

Das “Noma” gastierte jüngst einige Zeit in Tokio und dort kam es zum Aufeinandertreffen der Giganten: Redzepi zu Gast bei Jiro. Redzepis Initiative MadFood hat die Begegnung festgehalten und zeigt einen Redzepi, der wie ein nervöser Schuljunge vor dem Direx herumrutscht. Heraus kam ein stilles Gespräch über Ambitionen und das Wichtige im Leben – unbedingt sehenswert: 

 

 

Donnerstag
Apr092015

Cognitive Cooking: Wenn der Computer mitkocht

Wie wäre es mit einem tschechischen Schweinebauch-Moussaka?

Einem österreichischen Schokoladen-Burrito?

Oder doch lieber indonesisches Reis-Chili con Carne mit Vanille?

Was klingt wie die durchgeknallten Kreationen eines von Fusion-Küche besessenen Kochs, sind tatsächlich Rezepte aus einem der ungewöhnlichsten Kochbücher auf dem Markt: „Coginitive Cooking with Chef Watson“. Also, richtig auf dem Markt ist es noch nicht: Es wird erst kommende Woche erscheinen. 

Denn jener Küchenchef Watson ist kein Homo Sapiens – sondern ein Computer. Besser: ein Netzwerk von Rechnern auf dem Campus von IBM. Natürlich ist ihr Einsatzgebiet nicht das Kochen. Das übergeordnete Ziel des riesigen Projektes ist die Entwicklung einer semantischen Suchtechnologie, also einer Software, die menschliche Fragen versteht und die richtigen Antworten gibt. Das klingt simpel, ist aber tatsächlich ein hochkomplexes Problem, auf das auch Google noch keine überzeugende Antwort gefunden hat. Denn was ist gemeint, wenn jemand nach Golf sucht – der Sport, das Auto, eine Küstenregion?

Natürlich will IBM damit seine Big-DataProdukte stärken. Doch ein wenig PR muss eben auch sein, weshalb das Thema Kochen ins Spiel kommt. Der IT-Konzern kooperiert mit der Koch-Ausbildungsstätte Institute of Culinary Education (ICE) und dem Food-Magazin „Bon Appétit“. Ziel: Mit künstlicher Intelligenz Rezepte erzeugen, auf die Menschen nicht kämen.

Den aktuellen Stand präsentierten die Partner jüngst auf der SXSW, der größten Digitalkonferenz der Welt in Austin/Texas, zu der inzwischen auch das Foodfestival „Southbites“gehört. Die Zusammenarbeit von Köchen und künstlicher Intelligenz „ist ein faszinierendes Konzept“, sagte James Briscione, Leiter Food Development beim ICE: „Als Koch lebt man von der Erfahrung und arbeitet mit dem, was man schon probiert, geschmeckt und gerochen hat. Aber man kann nicht mit etwas arbeiten, was man noch nie gesehen hat.“ Watson dagegen schon. Ein Beispiel: „Wir haben erkannt, dass Olivenöl hervorragend zu Äpfeln passt. Doch es gibt in der klassischen Küche kaum Rezepte, die diese beiden kombinieren.“

Watson greift bei seinen Prozessen dabei auf drei Datenbanken zu: die Rezeptsammlung von „Bon Appétit“, eine Liste typischer Zutatenkombinationen in den Ländern der Welt, sowie eine physikalische Klassifizierung. So weiß Watson beispielsweise, dass man Tomaten nicht stundenlang in einer Pfanne braten kann. Aus diesen drei Quellen generieren die Rechner dann neue Rezept-Kombinationen.

Was als PR-Aktion begann, könnte nun aber doch zum Geschäft werden. Denn die neuen Erkenntnisse sind auch für die Lebensmittelindustrie interessant. Und so orakelt Steve Watson, Director beim Watson-Projekt: „Wir reden mit verschiedenen Unternehmen aus der Food- und Geschmacksstoffindustrie. Mehr können wir noch nicht sagen.“

Am Ende könnte auch eine öffentliche Nutzung der Künstlichen Intelligenz stehen. Derzeit braucht man dafür eine Einladung, hier aber das Erklärvideo:

Aber auch Käufer des Kochbuchs dürften einen Zugang zur Datenbank bekommen, zumindest enthielt das Exemplar, das uns das Watson-Team in Austin schenkte einen solchen. Könnte sich also lohnen, das Buch zu erwerben:

 

Donnerstag
Feb192015

Koch für uns, Dawn

Endlich. Am Morgen ist es nicht zappenduster, wenn der Wecker klingelt, am Abend verlassen wir das Büro zumindest noch bei einem Hauch von Licht. Die ersten grillen schon wieder an, auf jeden Fall machen sich die Gärtnernden unter uns Gedanken über die kommende Bepflanzung – und ihre zugehörigen Partner über die passende Musik, die man dazu spielen könnte. 

Und da hätten wir was für Sie, eigentlich gefunden von Deutschlands tollstem Foodblogger Stevan Paul: das amerikanische Duo (und Internet-Phänomen) Pomplamoose. Über Youtube wurden sie bekannt, aber ihr neues Album ist auch über die herkömmlichen Digitalwege zu beziehen – und sprenkelt den Balkon mit luftiger, gutlauniger Elektromusik. 

Aber eigentlich hat Musik hier ja wenig zu suchen, geht es doch bei Gotorio um Essen und Reisen. Aber: Pomplamoose-Sängerin Dawn hat noch eine Leidenschaft: kochen. Und Kochvideos machen. Die sind so witzig und unterhaltsam, dass sie hiermit wärmstens empfohlen seien: