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Montag
Jun252007

Cotswolds: No Hektik, please, we're British

Handeln wir direkt mal die Witze ab:
“Ist das Essen da so schlecht?”
“Kotzt da jeder in den Wald?”
“Ist das ein Vergnügungspark für Essgestörte?”

Ja, ja, ja… Solcherlei Späße darf man sich anhören, verrät man Freunden, man mache Urlaub in den Cotswolds. Die Skepsis weicht auch nicht, wenn sie erfahren, dass es sich um eine Gegend im Westen Englands handelt, so drei Autostunden von nordwestlich von London. Denn in England macht man keinen Urlaub. Warum auch?

Cotswolds%20Juli%202006%20158.jpg 

Zum Beispiel weil es schön ist. England ist, das sagen fast alle, die es gewagt haben, ist ein unterschätztes Reiseland. Die Cotswolds unterschätzt in Germany dagegen niemand - kennt ja keiner. Dabei verbringen doch viele der britischen “Gala”- und “Bunte”-Inhaltelieferanten ihre Wochenenden dort. Gwyneth Paltrow, zum Beispiel, besitzt mit Coldplay-Sänger Chris Martin ein Häuschen, Prinz Charles gleich eine ganze Farm. Kein Wunder: Wer ein hektisches Leben führt, findet hier Ruhe. Nicht einmal die Anhöhen machen kribbelig, hier gibt es sanfte Hügel, keine Berge, keine Klippen.

Cotswolds%20Juli%202006%20217.jpgCotswolds%20Juli%202006%20144.jpg 

Hier ist England so, wie es sich der Rest Europas seit “Der Doktor und das liebe Vieh” vorstellt: kleine Örtchen mit gelben Sandsteinhäusern und Einrichtungsgeschäften, die so vollgestopft mit süßen (Meinung der Frauen)/überflüssigen (Meinung der männlichen Reisenden) Wohnergänzungsgegenständen sind, dass selbst erfahrene Shopperinnen reichlich Zeit brauchen. Die Herren widmen sich derweil dem Bewundern der Oldtimer englischer Fabrikation, die in den Cotswolds in äußerst hoher Dichte anzutreffen sind.

 

Cotswolds%20Juli%202006%20151.jpg 

Und sonst? Wandern, zum Beispiel. Wer aber als typisch Deutscher sauber geplättete Wege erwartet, bekommt ungewohnte Abenteuergefühle. Hier sind Wanderrouten mit leicht verwitterten Farbmarkierungen abgesteckt, deren Auffinden an die kindliche Ostereiersuche erinnert. Auch führen die Wege munter über die Weiden der örtlichen Farmen, was die ständige Suche nach Bullen nötig macht, die weniger gastfreundlich sind als die einheimischen Homo Sapiens. Gesitteter geht es in den zahlreichen Gartenanlagen zu. Unser persönlicher Höhepunkt war der wunderschöne und üppige Hidcote Manor Gardens nahe Chipping Camden.

Wer in die Cotswolds reist, hat zwei Möglichkeiten angenehm zu nächtigen. Entweder in Schlosshotels, deren Preise daran gemahnen, dass nicht jeder Londoner Investementbanker sich auf ein Wochenendhaus einlassen möchte - manche bevorzugen Hotels, in denen ein Wochenende so teuer ist wie ein Wochenendhaus.  Die realistischere Variante sind Bed & Breakfasts. Ist auch viel englischer. Und viel netter.

Zum Beispiel die “Nineveh Farm” zwischen Chipping Camden und Mickleton.  Hier schlafen die Gäste in wunderbarer Ruhe zwischen Blümchentapeten im Laura-Ashley-Gedächtnisstil und sitzen am Morgen entweder draußen im Garten oder drinnen zwischen Kitsch und Tand. Chefin Alison Yardley serviert mit wirbelnder Fröhlichkeit das herrlich fettiges Frühstück, das ihr Mann Michael an einem trutzigen Ofen zubereitet, der wohl nur durch das Einreißen der Küchenwand dieses Haus je verlassen wird.

Von hier aus lässt sich auch mit einem weiteren Vorurteil aufräumen, das Kontinentaleuropäer so gern gegen England hegen. Denn längst wird in englischen Restaurants und Gastro-Pubs vorzüglich gegessen. In Mickleton, eine Viertelstunde zu Fuß von der “Nineveh Farm” beweist dies zum einen das “Kings Arms”, bei dem am Wochenende eine Reservierung dringend empfohlen wird. Hier sitzt man im Biergarten oder in tiefen Ledersesseln vor dem Kamin und speist Hühnchen mit Spargel, Lamm-Carée oder Steak. Na gut, Kalbsleber gibts auch, wenn die jemand mag.

Eine Klasse höher liegt das Restaurant des “Three Ways House Hotel”. Es beherbergt den Pudding Club, eine Gemeinschaft von Gourmets, die sich der Erhaltung des englischen Puddings verschrieben hat. Dieser Pudding hat nichts mit dem Vanille- oder Schoko-Zeugs deutscher Essgewohnheiten zu tun. Als Nachtisch serviert handelt es sich um einen mit Soße getränkten Brotpudding, dessen Kalorienzahl in Ländern der Dritten Welt ganze Familien Wochen über Wasser halten würde. Als Hauptspeise ist diese Pudding-Art eher eine mit Fleisch und Soße gefüllte dünne Teigschicht. Übrigens muss es nicht unbedingt das etwas steifere Restaurant des “Three Ways House” sein: In “Randals Brasserie” wird das gleiche Essen günstiger und in entspannterer Atmosphäre serviert. Meine Ess-Emfpfehlung: Zuerst den wunderbaren geräucherten Lachs, anschließend den Venison and Beef Pudding und als Abschluss den Sticky Toffee and Date Pudding. Danach einen Brandy oder Whisky. Und am nächsten Morgen eine neue Hose kaufen.

Städte gibt es natürlich auch in den Cotswolds. Gloucester, zum Beispiel, mit seiner eindrucksvollen Kathedrale, deren Wandelgang Drehort für die “Harry Potter”-Filme ist (Foto unten). Wer den Hogwarts-Speisesaal sehen will, muss übrigens nach Oxford, was von London kommend auf dem Weg liegt.

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Dreh- und Angelpunkt der Cotswolds ist Cheltenham, eine Kurstadt mit wunderschönen, weißen Häuserreihen und einer überwältigend hässlichen Fußgängerzone. Dann schon lieber raus nach Stratford-upon-Avon, der Shakespeare-Stadt mit dem Shakespeare-Haus und dem Shakespeare-Museum und dem Haus von Shakespeares Schwester und den Anwesen von Shakespeares Freunden. Wer es schafft, Karten für die Royal Shakespeare Company zu ergattern, sollte nicht eine Sekunde zögern - die Aufführungen bewegen sich auf allerhöchstem Niveau.

Birmingham ist auch nahe, klar. Engländer betonen immer, wie sehr sich die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten zum positiven gewandelt hat. Mag stimmen, erhebt sie aber noch nicht in den Rang des Schöne. Und bei Regen macht sie depressiv.

Dann schon lieber raus nach Warwick Castle, einer der größten Touristenattraktionen des Königreichs. Die gewaltige Burg ist eine Art Ritter-Vergnügungspark. Den ganzen Tag über wird das mittelalterliche Leben nachgestellt, nur beim Foltern beschränkt man sich auf weniger Bildlichkeit. Vielleicht einmalig ist das gewaltige Katapult, das eine halbe Stunde lang geladen und gespannt wird, unterlegt von Erzählungen, wie einst tote Schweine damit Richtung gegnerische Burg geschickt wurden. 

Cotswolds%20Juli%202006%20194.jpg Cotswolds%20Juli%202006%20197.jpgNach all den Hügeln und Burgen soll es noch ein wenig Wasser sein? Dann empfehlen wird die eine oder andere Nacht im idyllischen “Old Passage Inn” am Fluss Severn, einer Art Design-Bed & Breakfast. Der nächste Ort ist Kilometer entfernt, doch der Weg lohnt sich. Zum einen wegen der wunderschönen und komfortablen Zimmer mit idyllischem Blick auf den Fluss -
zum anderen wegen des erdgeschossigen Fisch-Restaurants, das trotz seiner abgelegenen Lage grundsätzlich voll ist bis zum Anschlag - und das mit Recht.

So gleiten die Tage dahin in den Cotswolds.  Und wer bei der Heimkehr den Freunden die Fotos zeigt, vielleicht garniert mit englischem Käse (wird ebenfalls unterschätzt), der kann ja vielleicht doch den einen oder anderen überzeugen, dass ein Urlaub in England keine ganz so abwegige Idee ist.

Reader Comments (2)

Jetzt wuerde ich ja nur zu gerne wissen wieviele diesen Eintrag lesen und wieviele Vorurteile damit endlich ausgeraeumt werden.

Essen kann man hier schon seit langem gut, wenn auch nicht immer billig. Wandern geht sowieso wunderbar, vor allem seit der Right to Roam legislation.

Nur eine kleine Meckerei am Eintrag: Whisky schreibt man allerdings ohne e, zumindest den der vermutlich im Three Ways House Hotel serviert wird. Das musste ich ja jetzt doch loswerden ;-)

Juli 14, 2007 | Unregistered CommenterArmin

Ups, grober Patzer - wird gleich korrigiert. Danke für den Hinweis!

Juli 15, 2007 | Unregistered CommenterThomas

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