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Samstag
Feb122011

"Schorn": Anflug auf die Sterne

Im März 2008 landeten wir hier bei Gotorio einen schönen Kaffeesatzleserei-Treffer. Nach unserem Besuch im Düsseldorfer “Tafelspitz 1876” schrieben wir:

“Es ist das wohl nächste Restaurant in der NRW-Hauptstadt, dass auf Sterne hoffen darf.”

Das fanden dann auch die Michelin-Tester: Schon bei der nächsten Ehrungsvergabe bekam das “Tafelspitz” seinen Stern - und verdient ihn bis heute. 

Nun wagen wir es nochmal. Denn in Düsseldorf existiert seit dem Herbst 2009 ein Restaurant, über das im vergangenen Jahr mit steigender Tendenz gemunkelt wurde, es biete eine exzellente Küche zu sehr angenehmen Preisen. Es liegt nahe der Bilker Kirche in einer Straße, die bisher vor allem für ihren holländischen Imbiss “Leo’s Grill” bekannt war.

Sein Name: “Schorn”. Und wir meinen: Bis zum ersten Stern ist es nicht mehr weit.

Zugegeben: Wäre nicht das Essen, das “Schorn” wäre nicht unbedingt unser bevorzugter Ess-Ort.

Das Ambiente erinnert mich an das “Haus Scharlau”, jenes Restaurant im westfälischen Örtchen Senden, in dem meine Eltern alle zwei Wochen Sonntags abends essen gingen. Das “Schorn” ist vielleicht pastelliger ausgefallen, doch strahlt es eine Art von Gediegenheit aus, die wir in den 80ern als gediegen angesehen hätten - heute dann eher nicht so.

Damit ist es nicht allein: Diese wenig schöne Retro-Gestaltung findet sich auch in Top-Restaurants. Das mag eine seniore Klientel - und die ist zahlungskräftig. Doch für Menschen unter 55 ist das Ambiente eher in der Rubrik “Geht so” einzunorden.

Das aber macht Chefin Anne Schorn schnell wieder gut. Von ihren Eltern hat sie das Haus übernommen, nun führt sie es mit ihrem Mann Marcel Schiefer - sie im Service, er hinter dem Herd. Anne Schorn strahlt einen Spaß an der Arbeit gepaart mit Kompetenz aus, der uns selbst in einer leer geräumten Garage die Laune verbessern würde. 

Ob ihr Mann ebenso fröhlich und schwungvoll in der Küche zugange ist, wissen wir nicht - wir haben ihn nicht gesehen. In Sachen Kompetenz aber, steht er ihr nichts nach. 

Das “Schorn” bietet einerseits Klassiker, andererseits in wechselndes Degustationsmenu. Dieses kann als 3-, 5- oder 7-Gang-Variante gewählt werden. Dabei sind die Schorn-Schiefers aber bei der Zusammenstellung unpretenziös - alle Varianten gehen mit allen Varianten. Das würden wir uns häufiger wünschen.

Was auch immer aber bei uns auf den Tisch kommt, hat gehobenes Niveau. Zum Beispiel eine Terrine von der Gänseleber, der Birne eine fruchtige und Haselnuss eine herbe Note verleiht. Oder die perfekt in Nussbutter gebratene Jakobsmuschel auf frischer Erbsen-Minz-Crème mit Mangorelish und Hummerschaum. 

Dieses Gericht ist typisch für die Küche des “Schorn”: deutsch-französisch und eher konservativ kommt sie daher, variiert wird nur mit leichten Ticks. 

Das trifft auch auf den Loup de Mer zu, auf der Haut gebraten, an Ratatouille mit Zuchinicoulis und Piment d’Espelett zu: eigentlich ein stockkonservatives und hervorragend zubereitetes Gericht - doch der scharfe Chili aus dem Baskenland verleiht eine besondere Note.  

Fast schon verwegen wirkt dagegen der Hirschkalbsrücken: Er kommt mit einem herbstlich-süßem Kürbispürée, Apfel-Porwein-Confit. Für herbere Akzente sorgen eine Waldpilz-Maultausche und das Lorbeerjus. Elegant und lecker. 

Das Dessert liefert dann eine physikalische Sensation: Wie, zum Teufel, bekommt man eine Apfel-Tarte so dünn hin? Würden wir die Äpfel abräumen, könnten wir wahrscheinlich durch den hauchzarten Blätterteig auf den Teller schauen. 

Eher zu bieder fällt das laufwarme Schoko-Küchlein aus. Sehr, sehr lecker - aber seinen wir ehrlich: Lauwarme Schokoküchlein sind der VW Golf unter den Desserts - falsch macht man nichts, aber große Überraschungen sind auch nicht mehr drin.

Ein dreigängiges Menu kostet im Schorn 49 Euro - das ist angesichts der Qualität ein aus Sicht des Gastes hervorragender Witz. Das fünfgängige wird mit 68 Euro berechnet, die Weinbegleitung dazu kommt mit 14, beziehungsweise 28 Euro hinzu. 

Es ist nur schwer vorstellbar, dass diese Preise noch lange so bleiben. Die Düsseldorfer haben das “Schorn” schon entdeckt - bald dürften das auch die Gastro-Kritiker tun. Und wir sind überzeugt: Auch sie werden sich in das “Schorn” verlieben.

Schorn
Martinstraße 46a
40223 Düsseldorf
0211 8766155 

 

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