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Donnerstag
Jun022011

Food truckin all Mittagspause long

Samtzart zergeht die aufgefaserte Rinderbrust auf der Zunge, der rauchig-tomatige Geschmack der Sauce mit einem Hauch Limone wird gedämpft und aufgesogen von einem weichen, ganz leicht aromatischen Bissen Brot. Wer einfach seinen Magen füllen möchte, für den ist der “Barbacoa Style Brisket Slider” eine leckere vier Dollar teure Mahlzeit. Doch wer genauer reinspüren möchte in den Geschmack, der findet eben jene hausgemachten, in Koriander eingelegten Zwiebeln und eine mit Limonen angereicherte Crème.

Nicht anders der “WD Pig Slider”. Slider ist eine Art texanischer Burger. Doch weil der Staat des einen Sterns sich seiner Liebe zum Barbeque rühmt, wird die Hack-Scheibe ersetzt durch lange und sanft geköcheltes Fleisch in Sauce, das in das nicht ganz aufgeschnittene Brötchen geschoben wird. 

Im Fall des “WD Pig” ist es Schweineschulter, die in Pecan-Kaffee, einer nussigen, texanischen Bohne, mariniert wurde. Dazu eine texanische Barbeque-Sauce, die sich von den Gegenstücken in der Mississippi-Gegend durch weniger Rauch und mehr Tomate unterscheidet. Verfeinert wurde sie mit texanischem Pinot Noir. Und weil der Cowboy an sich es auch scharf macht, wird noch mit Jalapeno gewürzter Krautsalat hinzugefügt. Ach, komm, der hausgemachte Kartoffelsalat geht auch noch als Beilage.

Das ist so großartig, dass wir die Augen schließen - und für einen Moment vergessen, wo wir stehen. Mitten in Austin, Texas, nämlich. Auf einem trostlosen Parkplatz, umgeben von architektonisch belanglosen Hochhäusern.  

Vor allem an Ost- und Westküste kennen Amerikaner diesen Moment seit wenigen Jahren sehr gut. Denn in jenen Ecken, an denen das hippe und coole der USA sprießt, sind Food Trucks der heiße Scheiß der Gut-Essen-Interessierten. 

Eigentlich gab es sie schon immer, jene Imbiss-Wagen und umgebauten Busse. Doch bisher standen sie für fettriefende Hamburger, mit Abgasen geräucherte Hot Dogs und pappige Fritten. Das Aufwachen einiger Gegenden der USA in Sachen Gourmetismus aber hat nun auch eine Wende im Fast Food gebracht. 

Denn wer einmal erkannt hat, dass gutes Essen einen Gewinn an Lebensqualität bedeutet, der mag nicht mehr davon lassen. Selbst dann nicht, wenn er eben gezwungen ist in einer hastigen Mittagspause kurz etwas einzuwerfen. Gleichzeitig ermöglichen Food Trucks ein hohes Maß an Abwechslung: Sie können ihren Standort eben täglich wechseln. Und wo sie stehen, das können sie dank Social Media eben auch per Twitter und Facebook mitteilen. 

Schon hat NPR, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, die USA zur “Food Truck Nation” erklärt:

 

Das Spektrum des gereichten Essens ist breit, wie auch die Liste der 10 besten Food Trucks in den USA nach “GQ” zeigt. Von den Cupcakes über Slider bis zu Fajitas reicht es auf jenem Parkplatz in Austin. Nicht, dass dort jeden Mittag die Auswahl so groß ist: Das Startup Foodspotting (bei dem Nutzer ihr Essen fotografieren und mit einer Ortsmarke an ihre Kontakte weitergeben) hat zum “Food Truck Festival” am Rande des Digital-Festivals SXSW geladen. 

Zwei Essens-Richtungen aber finden sich häufig: Edel-Burger aller Facetten - und koreanisches Barbeque. Warum nun gerade das auf Holzkohlen zubereitete und meist ordentlich scharfe Grillfleich so hip ist, lässt sich nicht wirklich recherchieren. Aber vielleicht hat einer unserer Leser ja eine Idee.

Wichtig ist den meisten auch ein gehöriger Schuss Coolness im Auftritt. Die Slider serviert zum Beispiel “Along came a slider”, das seinen schwarzen Truck mit einer Comic-Spinne versehen hat (wer Anregungen für den nächsten Grillabend sucht, findet sie auch im Blog zum Truck). 

Schon bildet sich eine Peripherie-Industrie rund um Food Trucks. Zum Beispiel Roaming Hunger, eine Plattform, die Food Trucks listet und ihren Standort per Mobile App mitteilt. Ihr Gründer Ross Reskin hat dem Business Insider auch verraten, wie es um die Truck-Ökonomie bestellt ist: Ein Wagen kostet 80.000 bis 150.000 Dollar. Leasing-Anbieter ermöglichen aber einen Start ab 10.000 Dollar. Die Bezahlung erleichtert Square: Das kleine Dongeln am Iphone ermöglicht Kreditkartenabrechnungen für jedermann - leider ist der Dienst in Deutschland noch nicht verfügbar. Und schließlich, sagt Reskin, seien Food Trucks ein Ding der Westküste.

Tja, und leider noch kein Ding in Deutschland. Dabei scheint die Gelegenheit doch tatsächlich auf der Straße zu liegen. Dort, wo an den Rändern der Städte hungrige Bedienstete in Kantinen bedrückend schlechte Kost zu sich nehmen, wo es keine Alternative gibt außer Bratwurst mit Pommes Schranke. 

Möge dieses Volk der kulinarisch Entrechteten sich erheben, möge es aufschreien und fordern, was ihm gebührt: gutes Essen! Mögen sich die Führer herauslösen und ihr eigenen Food Trucks aufmachen! Das denke ich, während ich in der langen Schlange Gourdough’s Donuts stehe - darauf einen mit Marshmallow und Chocolate Fudge. 

Reader Comments (1)

…aber in Nürnberg fährt bereits seit Anfang 2011 ein original Food-Truck mit einem einzigartigen Produkt: dem leckeren RibWich… More infos… click http://www.ribwich.de … see you @ the truck!

Januar 17, 2012 | Unregistered CommenterKlaus

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