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Montag
Okt212013

Köln Marathon: Schöner wird's nicht

Einst sagen Bap in ihrem Song “Met Wolke schwade” über Köln: Ming Stadt ess alt, dat heiß: nit häßlich,
nur jet zo plump jeschmink.”

Weder vor dem Start zum Köln Marathon wird dieser Song gespielt, noch höre ich ihn irgendwo am Rand der Strecke. Und doch spielt er die ganze Zeit in meinem Kopf, als ich durch die Domstadt renne. 

Dass ich hier laufe und nicht in Frankfurt oder München verdanke ich dem Hamburg Marathon-Team. Das hielt mir auf der Expo des Düsseldorfer Rennens einen Flyer entgegen und wollte mich für den Lauf werben, den ich ja gerade gelaufen war. Also mal nachfragen, welches Rennen mir die Profis denn für den Herbst empfehlen: Köln, Frankfurt oder München. Die Antwort kam wie aus der Startpistole geschossen - Köln. “Da ist definitiv die beste Stimmung!”

Also Köln. Ein Lauf, der auf dem absteigenden Ast war, denn er hatte sich vom Dom entfernt. Und für den Kölner ist der Dom unverzichtbar bei allem, was er tut, wenn er den Dom nicht sieht, dann leidet er, der Kölner. Folge: Prompt kehrt der Marathon wieder zurück in die klerikale Reichweite, schon steigt wieder die Teilnehmerzahl. “Der Dom ist das Ziel” ist denn auch der Slogan, mit dem geworben wird.

Organisatorisch läuft im Vorfeld alles glänzend. Online-Anmeldung, Startnummern-Abholung auf der wirklich großen Expo - problemlos. Von dort bringe ich auch noch eine kleine Entdeckung mit: Mule Bar sind Energieriegel mit Fair-Trade-Logo, die wirklich gut schmecken. Ein echter Herausforderer für meinen bisherigen Favoriten High5. Bemerkenswerterweise kommen beide Marken aus England - da legt man vielleicht mehr Wert auf Geschmack als in den USA. 

Der Start am Deutzer Bahnhof ist angenehm spät. Die Anfahrt ist problemlos, versucht man nicht mitten durch die Stadt zu fahren. Stattdessen die A3 bis Deutz, dann immer Richtung Lanxess Arena. Dort kostet das Parken 5,50 Euro für den Tag, ist aber wesentlich näher am Start und an der U-Bahn als die Gratis-Parkplätze.

Da vor dem Hauptereignis der Halbmarathon durch die Straßen rennt geht es erst um 11.30 los. Hinten im Startfeld, also da, wo ich stehe, ist die Stimmung weniger entspannt als in Hamburg. Die Blöcke sind recht voll, die Musik von der Bühne kommt nicht nur leise an. Erst als wir zur Startlinie geführt werden, wird es vorfreuiger, erregter, spannender - statt mit Bap oder den Hoehnern starten wir den Black Eyes Peas und “Tonight’s gonna be a good night”. Was dann wohl ironisch zu verstehen ist. 

Graue Wolken schieben über den Rhein, 11 bis 12 Grad. Nicht schön, aber zweckmäßig. Noch auf dem ersten Kilometer überquert die Läufermasse den Rhein - rechts lockt der Dom, links der umgebaute Hafen. Allein: Es wird einer der ganz wenigen schönen Anblicke in den kommenden Stunden werden. 

Denn seien wir ehrlich: Köln ist nicht schön, Köln ist grob geschminkt. Da hat der Wolle Niedecken schon recht. Im ersten Abschnitt geht es ja noch, die Strecke führt ins Villenviertel Beyenthal - alles ganz OK. Theoretisch geht es dabei am Rhein entlang, faktisch auf der breiten Straße, die ein Stück vom Fluss abgesetzt ist, danach auf der anderen Fahrbahnseite wieder hoch. 

Die Südstadt wird nur kurz gestreift, dann hoch Richtung Neumarkt und zum ersten Mal kurz auf den Rudolfplatz. Hier ist es dann auch mal voller - denn bis zu diesem Punkt sind die Zuschauermengen überschaubar angesichts der Erwartung. Vielleicht liegt es am üsseligen Wetter, doch ein Marathon-Frühstücken im Vorgarten oder Lauf-Bierchen mit der Hausgemeinschaft ist in Köln - im Gegensatz zu Hamburg - die Ausnahme. Nicht nur, weil es entlang der Strecke massiv an Vorgärten mangelt.

Bei Kilomenter 12 geht es runter und rauf durch den Universitätstunnel, nach einer Schleife durch Sülz drei Kilometer später noch einmal. Nicht die einzige Steigung: 235 Höhenmeter weist Runtastic aus - 40 mehr als in Hamburg. Besonders eklig wird es später an der Zoobrücke: Nach 36 Kilometern noch eine langgezogene Auffahrt hoch müssen - das ist sehr, sehr unschön.

Doch vorher kommt ja Lindenthal - austauschbares Köln, nichts bleibt haften. Nicht einmal ein Foto möchte ich machen, es gäbe nichts zu fotografieren. Höchstens noch das lustigste Anfeuerungsschild des Tages: “Wir essen pünktlich. Deine Hilde”. Die traurige Aachener Straße geht es wieder Richtung Rudolfplatz. Der soll einer der Stimmungshöhepunkte sein - doch die laut pumpende Musik überdeckt, die ausbaubare Zuschauerzahl. Es ist nicht leer - nur eben auch nicht voll. Diesen Eindruck bestätigen mir später auch zwei wesentlich schneller laufende und wesentliche erfahrene Freunde: nicht schlecht, das alles, aber nicht dolle. 

Stören tut das nicht. 6:30 pro Kilometer hatte ich mir als Renntempo zurechtgelegt mit dem Ziel unter 5 Stunden anzukommen. Naive Rechnung: 6:30 kann ich bis zur Halbdistanz definitiv halten, danach darf ich maximal 7 Minuten laufen. Tatsächlich bin ich selbst bei Kilometer 20 immer wieder schneller als 6:30 ohne, dass ich Probleme spüre. Läuft.

Das Stücke zwischen Rudolf- und Friesenplatz ist dann tatsächlich stimmungsvoll, hier ist es voll, hier macht es Spaß - doch das sind eben nur ein paar hundert Meter. Schon geht es Richtung Ehrenfeld. “Alles schlechte von der Welt kommt aus Nippes, Kalk und Ehrenfeld”, sagt der Kölner. Nun, schlecht ist es nicht hier - nur eben genau so grau und egal wie der Rest. Ich hätte mitzählen sollen, durch wie viele Fußgängerzonengrausamkeiten es geht. 

Von ausgelassener Party ist weiter wenig zu spüren. Vereinzelt haben Kölner ihre Boxen rausgestellt - und wenn der Kölner Boxen rausstellt, stellt er BOXEN raus. Das entschädigt dann für die Trommler-Truppen an der Strecke, die hier noch unrhythmischer trommeln als in Hamburg. 

Gewöhnungsbedürftig sind die um einen herumwuselnden Schulstaffeln. Kinder und Jugendliche begegnen einem ständig in den unterschiedlichsten Tempi. Wie motivierend muss das sein, mal so zu laufen? Ich glaube, mich hätte das als Schüler durchaus motivieren können. Allerdings: Auf Laufstil scheinen Lehrer auch heute keinen Wert zu legen. Immer wenn man hinter sich ein lauten POFFPOFFPOFF hört, kommt ein ambitionierter Jugendlicher herangestampft - runder Laufstil ist die Ausnahme.

Am Mediaparkt geht es zurück zum Hansaring, auch hier ist mehr los. Der Dom, immerhin, ist mal wieder in Sicht. Allein: Es sind noch immer 17 Kilometer. Nippes und Riehl stehen noch an.

Und dann, endlich, so eine Stimmungsallee. Liebe Bewohner der Cranachstraße: Ihr seid super. Vor fast jedem Haus stehen Familien, Ratschen, BOXEN und andere Lärminstrumente sind im Einsatz, selbst zu so später Marathonstunde werden noch zu Anfeuerungszwecken die Namen der Läufer von den Startnummern abgelesen. 

Selbst hier halte ich aber mein Tempo. Was’n das? Gibts doch gar nicht? Selbst bei meinem letzten 30er war ich am Ende nicht so schnell - und nun ist bereits Kilometer 35 vor Augen. Mann mit dem Hammer? Auch diesmal Fehlanzeige. Nur ein Muskel an der Hüfte zwickt unschön. 

Die letzten Kilometer versöhnen mit Köln. Ab dem Hansaring ist wieder was los, die Männertruppe in Funkenmariechenkostümen ist schon durch und feuert die noch laufenden an. Mich überholen drei Typen in Tierkostümen, die jedem, der sie besondern begeistert anfeuert, Kamelle zuwerfen. 

Noch einmal Friesenplatz, noch einmal Rudolfplatz, noch einmal Neumarkt. Da spielt eine gute Liveband vor zu wenigen Zuschauern. Und schließlich - der letzte Kilometer. Und der ist richtig geil. Auf der Hohe Straße sind noch viele Klatschbegeisterte, der Dom rückt vor, noch immer Zeiten um die 6:40. Viel zu schnell geht es über die Domplatte, dann links ab ins Ziel wo die beste Marathonversorgerin von allen wartet. 

Ziellinie - und das Wissen: Das mit unter 5 Stunden war verdammt tief gestapelt. Nach einer Minute trifft schon die SMS mit der offiziellen Zeit ein: 4 Stunden, 41 Minuten, 1 Sekunde. 29 Minuten schneller als in Hamburg. Ich bin von mir selbst geschockt. 

Das hält mich dann auch noch lang genug warm für die Nach-Renn-Verpflegung. Die Isolierfolie für die Läufer ist nämlich schon aus (was eigentlich nicht passieren darf). 

Gelaufen ist es also. Doch die Begeisterung für den Köln Marathon kann ich nicht uneingeschränkt teilen. Er ist gut organisiert und gut zu laufen. Die Stimmung ist nicht schlecht - aber eben auch nicht überschwänglich.

Vor allem aber, tut mir leid, liebe Kölner - Eure Stadt ist halt sehr, sehr grob geschminkt. Daran ändert auch ein Marathon nichts. 

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