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Donnerstag
Apr112013

New York, London, Düsseldorf - Städte erlaufen

Der Wind kommt frisch von Richtung Liberty Island. Noch schafft er es, das Aroma der Abgase zurückzudrängen Richtung East River, langsam verfangen sie sich in den Schluchten von Manhattan. Wir laufen an einem frühen, grauen Frühjahrsmorgen an der Uferpromenade des Hudson entlang.

Dabei sind wir nicht die einzigen Menschen, mutmaßlich aber die einzigen Touristen. Die kommen eher selten hierher, erst recht so früh. Dabei verpassen sie echtes New Yorker Leben: Hier joggt sich der Investmentbanker die Kraft für gewagte Deals an, hier macht sich die Werberin fit für kreative Nachtschichten. Eine Gruppe im Studentenalter errichtet winzige Tore auf der Kunstrasenfläche, später werden hier Kleinkinder zur Fußballschule auf der Kunstrasenfläche gehen, während ein paar Schritte weiter ein Personal Trainer mit seinem Kunden Tai-Chi einübt.

All dies ist nicht spektakulär oder außergewöhnlich - es ist New Yorker Alltag. Diesen Alltag, über den sich der Besucher gemeinhin keine Gedanken macht, kennenzulernen ist eine der Lebensbereicherungen, die wir dank unseres Marathon-Trainings erfahren haben.

Denn wer sich entscheidet, an einem langen Lauf teilzunehmen, der darf keine Ausreden mehr gelten lassen: Er muss laufen. Die Vorstellungen des leichten Gepäcks bei Wochenendtrip hat sich dann erledigt: Die Laufkleidung mach den Koffer nicht so fürchterlich viel schwerer - aber die Schuhe sind halt sperrig (spätestens wenn man, wie ich, Sportschuhgröße 14 braucht). 

Als Entschädigung warten neue Blicke auf scheinbar bestens bekannt Städte.So wie die Hudson-Promenade, die für New York eine Art Strand-Resort ohne Sand geworden ist, mit aufwendigen Spielplätzen, jenem Riesen-Golf-Abschlagsort aus “Harry und Sally” und Kunstrasenflächen, die mal von Kinder-Fußballern, dann von Boule-Rentnern genutzt werden. Oder im Central Park die Dame, die ihre Rammler ausführt:

In London dagegen liefen wir von Butler’s Wharf aus die Themse hinab, vorbei an jenen renovierten Speicherstädten, die bei meinen ersten Besuchen in der Stadt - als Teenager in den frühen 80ern - noch als Sperrgebiet für Touristen galten. Heute residiert hier ein merkwürdiger Mix aus Gutverdienern, die sich charmante Reihenhäuser mit Wasserzugang gönnen, und rotziger Arbeiterklasse.

Natürlich ließen sich diese Gegenden auch mit einem Spaziergang erschließen. Doch würde es eben länger dauern. Hinzu käme dieses Gefühl, dass die knapp bemessene Zeit in einer Metropole sinnvoller investiert sein könnte, eben in jene spektakulären Orten, die nur New York oder London bieten können. 

Ganz anders das Bild in Austin. Zum zweiten Mal war ich jüngst dort zur SXSW, der größten Internet-Konferenz der Welt. “Keep Austin weired” ist das Leitmotte der Fast-Millionenstadt. Während der 30.000-Besucher-Veranstaltung ist es im Stadtkern auch ein wenig crazy. Doch nach einer Joggingrunde zum erbärmlich depremierenden Barton-Springs-Park und um den Town Lake behaupte ich abschließend: Das Verrückteste an Austin ist, dass es tatsächlich Menschen gibt, die diese Stadt für schön halten.

Selbst auf den eigenen Wohnort bekamen wir einen neuen Blickwinkel. Schließlich heißt es nicht mehr nur mal eine Stunde zu laufen, sondern auch mal drei bis vier - da kommt man rum. Mit einem Mal liefen wir durch das Rotthäuser Bachtal, das an der Grenze von Düsseldorf und Ratingen verläuft. Wie in Niederbayern wirkt es hier, mit sanften, grünen Hügel, bewandert von Kühen, und kleinen, gepflegten Höfen mit Teichen vor der Tür. 

Ganz anders ein Sonntag Mittag am Rhein. Die Eröffnung einer Hundeschule scheint als Karriereoption immer noch offen, denn Kundschaft ist reichlich da: Die Junghunde treffen sich zu Dutzenden am Löricker Freibad um dann auf den Rheinwiesen Anstand und Stil zu erlernen. Den hat schon der japanische Nachwuchs - zumindest optisch. Denn wenn sich die Familien zum Baseball-Treffen, tragen die Kleinen jene Uniformen, die wir sonst nur aus US-Familienkomödien kennen. Während sie sich den Ball um die Ohren hauen, feuern die Väter an und die Mütter errichten auf den mitgebrachten Camping-Tischen ein üppiges Asia-Picknick. 

All dies kann natürlich auch jeder Spaziergänger entdecken. Doch er muss halt sehr lang spazieren oder sehr gezielt. Er müsste sich auch zu ungewöhnlicheren Zeiten auf den Weg machen. Wir glauben, dass wir vieles von dem nie entdeckt hätten ohne die Entscheidung für einen Marathon zu trainieren. “Marathonis sind Touristen”, heißt es, weil viele sich Rennen suchen, die gleichzeitig ein Wochenend-Trip sind. Das stimmt auch. Tatsächlich aber sind sie das eigentlich schon im Training.

 

Reader Comments (1)

Auch von mir diese Empfehlung. Dazu muss man aber nicht auf einen Marathon zulaufen. Es gibt - anscheinend verschwindend wenige - Menschen, die einfach zum Spaß laufen und diesen Spaß auch fern der Heimat haben wollen. (Sich zu Bewegung überwinden müssen, sich selbst dazu austricksen zu müssen, hat etwas elend Freudloses). Ich habe auf Reisen fast immer meine Laufausrüstung dabei und erkundige mich an der Hotelrezeption oder bei der Zimmerwirtin nach schönen Strecken. Bislang habe ich immer großartige Tipps bekommen, entweder weil die Befragten selbst liefen oder weil sie Erfahrungen anderer Gäste weitergaben. Sehr schöne Strecken habe ich auch entdeckt, indem ich einfach anderen Joggern hinterherlief, die aussahen, als kennten sie sich aus (z.B. in Edinburgh den Water of Leith Walkway).
Meist komme ich morgens von diesen Läufen mit wundervollen Entdeckungen zurück, die ich dann tagsüber mit einer Begleitung nochmal in aller Ruhe und ausführlich besuche.

April 12, 2013 | Unregistered Commenterkaltmamsell

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