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Dienstag
Jun042013

Supper Clubbin' im Rollin' Restaurant

Jüngst waren wir auf einer Hochzeit in der Uckermark eingeladen, genauer gesagt auf dem wunderschönen Schloss Wartin. Die Hotelsituation der Region ist, nun ja, ausbaufähig. So nächtigten wir im Hotel “Deutsches Haus” in Grünz

In dessen Garten steht - eine Tupolew TU 134A. Kein Witz. Ein Flugzeug. Nach der Wende planten die Betreiber des Gasthauses dort eine Bar einzubauen. Doch die Behörden machten einen Strich durch die Rechnung. Und so mutierte der russische Flieger zum Gartenzwerg-Surrogat. 

Es ist eben nicht alles erlaubt, was Gastronomen gerne tun würden. Die deutschen Gesetze sind kompliziert, geht es um Felder wie Sicherheit oder Hygiene. Doch wer in die Gastronomie wollte, der hatte früher eben keine andere Wahl: Entweder er beugte sich den Vorschriften, er blieb Angestellter bei jemand, der das tat - oder er suchte sich eine andere Profession.

Heute gibt es eine weitere Alternative: Supper Clubs. 

Seit einigen Jahren floriert die Szene der Hobbygastronomen, die für einen oder wenige Abende im Monat ein Restaurant öffnen, gerne in Privaträumen, in das nur Gäste Einlass finden, die sich zuvor per Mail angemeldet haben. Oft sitzen die Speisenden dann nicht separiert voneinander, sondern an einer langen Tafenl und lernen sich kennen. 

Die deutsche Hauptstadt der Supper Clubs ist - keine Überraschung: Berlin. Und zu den bekannteren Clubs zählt das Rollin’ Restaurant, was wohl auch daran liegt, dass seine Begründer im Web-Geschäft zuhause sind und somit digitale Kommunikation den Namen in die Köpfe gepflanzt hat. Mit Unterstützung des Goethe-Instituts rollte das Team sogar zu den Olympischen Spielen und kochte ein paar Abende in London (leider klappte es während unseres Olympia-Urlaubs nicht mit einem Besuch).

Trotz des Erfolgs - und das ist typisch für Supper Clubber - haben die drei Gründer keine Ambitionen, ein Restaurant zu eröffnen. Paul Fritze, Paul Nonnenmacher und Björn Schmidt sind Hobbyköche und wollen das bleiben. Dann lieber einmal im Monat richtig einen raushauen - auch wenn es mal fünf Tage Vorbereitung braucht.

Am Vorabend der Digital-Konferenz re:publica bekochten sie eine bunte Gruppe Internet-Aktiver. Und es gab wohl keinen Gast, der nicht beeindruckt war von dem, was da aus der Küche kam. Unterstützung erhielten sie dabei von Kristof Mulack, auch so einem Gastronomie-Renegaten. Mit seiner Schwester betreibt er das Mulax, eine Ess-Event-Location in der er selbst jeden Freitag (und manchmal am Sonntag) kocht. 

“Monochrome” lautete das Motto, jedes Gericht also nur in einer Farbe. Der Start: rot. Ein Tomaten-Sellerie-Sorbet reinigt den Gaumen, ein Vodka mit gerösteten Senfkörnern und Dill schmeckt fantastisch und, tja, hebt die Stimmung. 

Grün ist eine fantastisch aromatische Erbsensuppe mit einem gewagten, aber absolut passenden Schuss Anis.

Es folgt eine purpurene Rote-Beete-Orgie: Sorbet, Ziegenkäse mit Rote-Beete-Mantel, Sprossen und eingelegte Beete. Sehr lecker

Ein Highlight ist auch der orangene Gang: Saibling mit eingelegten Karotten, ganz sanft geräuchertem Kartotten-Pürree, frittierten Karottenstreifen, einer Eigelb-Vinaigrette und Forellen-Kaviar. Fast schüchtern tritt der Fisch dabei in den Hintergrund und lässt der ganzen Möhren-Bandbreite die große Bühne. 

Nun wird es weiß: Waller mit einer schaumig-leichten Hollandaise, die durch eine Hollunder-Vinaigrette sehr frühlingshaft daher kommt. Doch der eigentliche Höhepunkt des Gerichts ist der leicht säuerliche Spargel - groß.

Der Höhepunkt des Abends trägt braun: Perlhuhn mit einer Brotsauce und Pilzen. Tief erdig schmeckt das und sehr, sehr rauchig - eigentlich eher ein Herbstgericht. Aber wen stört das in diesem Mai, der wettertechnisch der mildeste November seit März ist? Das perfekt gebratene Perlhuhn jedenfalls wärmt Herz und Magen der Gäste.

Das Finale ist pink und rhabarberig: Sorbet, Gel, Frucht, Sponge Cake - alles Rhabarber. Herrlich fruchtig, ein toller Abschluss. 

In dieser Qualität liegt das Essen im Rollin’ Restaurant über dem, was viele, viele ständige Restaurants servieren. Doch würden die es wohl kaum schaffen, ein solches Menü für 65 Euro inklusive Wein auf den Tisch zu bringen. Kein Wunder: Das Projekt ist nicht auf Gewinn ausgelegt. 

Längst gibt es solche Supper Clubs in der ganzen Republik. Doch es zeigt sich eben auch, wieviel Arbeit in den Hobby-Restaurants steckt. Denn in unserer Wohn-Stadt Düsseldorf besuchten wir zweimal den liebevoll geführten Rebelote Supper Club. Der jedoch befindet sich in einer Kreativpause. Sehr schade - wir hoffen, Madame und Monsieur Rebelote werfen bald wieder den Herd an. 

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