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Dienstag
Aug132013

Stöhnen sie nicht, fotografieren Sie Ihr Essen

Hach, die Gastronomie. Es geht ihr so schlecht, Deutschlands Wirte stöhnen als ob sie sich für die Synchronisation in osteuropäischen Kellern gedrehter Pornos bewerben wollten. 

Das Rauchverbot! STÖHN.

Steigende Einkaufspreise! STÖHN.

Erhöhte Terrassengebühren! STÖHN.

Das Wetter! STÖHN.

Die steigenden Sky-Gebühren! STÖHN.

Und um ehrlich zu sein: Mir reicht’s - ich kann das nicht mehr hören. 

Das soll nicht heißen, dass ich gegen Gastwirte bin. Wir gehen gerne aus, wir lieben die hohe Gastronomie ebenso wie Kneipenküche oder Bars. Doch muss auch mal die Frage erlaubt sein, ob es nicht eine hohe Zahl von Gastronomen gibt, denen ihre Gäste ziemlich egal sind und die sich eher als Gutsherren fühlen, denn als Gastgeber. 

Dieser Gedanke kam mir in dieser Woche, als dieses Instragram-Foto aus einem Berliner Lokal die Runde machte: 

 

 

Anscheinend kommen solche Hinweise häufiger vor in letzter Zeit. So hat laut Medienberichten das Stuttgarter “BraunS” nicht nur einen orthgraphisch fragwürdigen Namen, sondern auch den Hinweis auf seiner Speisekarte: Wir bitten darum, im BraunS Mobiltelefone lautlos zu stellen, nicht zu telefonieren und nicht zu fotografieren.” 

Schon befragen erste Medien Juristen, ob denn Gastwirte mit dem Urheberrecht das Ablichten ihrer Speisen verhindern können (können sie nicht), obwohl so weit anscheinend noch niemand gegangen ist. 

In welchem Jahrhundert leben solche Gastronomen?

Dabei ist das Spiel doch ganz einfach: Wer Lust auf gutes Essen hat, der wird durch Bilder von ebensolchem angeregt. Eine typische Reaktion sieht dann so aus wie die, auf mein Matjes-Foto am Samstag:

Und bei ihrem nächsten Münster-Besuch wird Silke jetzt wohl dem Bistro der großartigen Feinkosthandlung “Holstein” einen Besuch abstatten. 

Aber wo ist denn das Problem mit dem Fotografieren? Hätten es die Wirte lieber, die Gäste würden die (Handwerks-)Kunst, die aus ihrer Küche kommt, eines kurzen Blickes würdigen um sie dann mit einem lauten “Hau rein” hinterunterschlingen? Das Fotografieren ist eine Würdigung der Leistung des Kochs. Und diese Leistung wird weiterverbreitet über Social Media. 

Natürlich wäre es verständlich, wenn die am Tisch sitzenden Mitesser genervt sind, muss der Teller erst zurecht gerückt und 20 mal abgebildet werden, bevor das Essen beginnen darf. Nur: Das ist nicht Sache des Wirtes. Ebensowenig der Einsatz von Blitzlichtern - denn dass in Restaurants gemeinsame Fotos gemacht wurden ist nicht neu. 

Verständlich ist es schon eher, wenn ein ambitionierter Koch sich sorgt, dass seine Gericht sich optisch durch Blitzlicht wie eine unappetitliche Pampe präsentieren. Doch warum helfen sie den Gästen - schließlich sind es ihre Gäste - nicht einfach? So wie es die “New York Times” über das “Bouley Restaurant” berichtet:

“But rather than tell people they can’t shoot their food — the food they are so proud to eat that they need to share it immediately with everyone they know — he simply takes them back into his kitchen to shoot as the plates come out. “We’ll say, ‘That shot will look so much better on the marble table in our kitchen,’ ” Mr. Bouley said. “It’s like, here’s the sauce, here’s the plate. Snap it. We make it like an adventure for them instead of telling them no.”

Tipps zum Fotografieren im Restaurant gibt es übrigens bei der Küchenreise. 

Natürlich könne man die Fotografierenden auch gleich bitten, das Bild direkt nach dem Mahl hochzuladen - aber bitte mit entsprechendem Hashtag und der Verortung, damit alle mitbekommen, wo es dieses optisch opulente Gericht zu verkosten gibt.

Fotografierende Gäste und Gastronomen könnten so zu einem Team werden. Der eine kocht, der andere isst, bezahlt und wirbt gleichzeitig. Stattdessen aber gibt es solch miesepetrigen “Bitte nicht fotografieren”-Hinweise. Ohnehin tun sich ja viele Kneipiers, Köche und Restaurantbesitzer oft schwer mit diesem Internet. Viele Homepages sind grauenhaft schlecht, noch immer in Flash programmiert (und damit von Apple-Geräten aus nicht einsehbar) oder nicht mobiloptimiert. Den großartigen Reservierungsdienst Open Table nutzen nur wenige. Es gibt viel zu wenige Blogs, auf Facebook ist weiter nur die Minderzahl vertreten. 

Es wäre so einfach mit begeisterten Gästen zu kommunizieren, sie für sich einzuspannen, zur Gemeinschaft zu werden, eben zur Community rund um Essen und Trinken. Und solch eine Community, die lässt auf einander nichts kommen, sie unterstützt die anderen Mitglieder in ihren einzelnen Anliegen.

Und wäre das nicht was, wenn beim nächsten STÖHN-Anfall der Gastronomen nicht nur deren Branchenverband eine Pressemitteilung veröffentlichen würde - sondern auch die Gäste sich solidarisierten?

Reader Comments (7)

Volle Zustimmung!

Kleine Anekdote: Zusätzlich zu Fachthemen blogge ich ab und zu auch über Orte/Läden/Restaurants in Hamburg, die es mir besonders angetan haben. Dazu gehören nun mal Fotos und ich frage grundsätzlich vorher, ob "man" einverstanden ist, dass ich die Räumlichkeiten fotografiere, um sie in einen Blogartikel einzubinden:

Bislang war das für mich eine rein rhetorische Frage, einfach der Höflichkeit geschuldet. In einem Restaurant in der Speicherstadt verblüffte mich aber neulich die nette Bedienung mit der Antwort: "Ich habe nachgefragt, aber unsere Geschäftsführerin möchte das nicht."
Na dann...!! :))

Denke das erste Bild ist eher der wachsenden Berliner Abneigung gegenüber Hipster und Touristen zuzurechnen. Den eigenen Laden bloß nicht allzu erfolgreich werden zu lassen scheint manch Gastronomen in dieser Stadt am Herzen zu liegen ;)

August 14, 2013 | Unregistered CommenterBjörn

Ich instagramme zwar nicht mit meinem Androiden, aber fotografiere auch häufig mein Essen im Restaurant. Einerseits möchte ich mich vielleicht gern erinnern oder Anregungen für eigene Kochkünste holen, andererseits schreibe ich mitunter Restaurantbewertungen für Plattformen wie Qype, Golocal, etc. Dort ist es ja schließlich gang und gäbe und auch Sinn und Zweck solcher Plattformen, dass man das Verzehrte ablichtet und seiner Bewertung zur Illustration beifügt. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich ohne Blitz fotografiere und andere Gäste nicht störe. Aber was wäre meine Fotosammlung ohne die vielen Fotos von lecker aussehenden Gerichten, die sich regelmäßig zwischen die Motive mit Hafenatmosphäre und Familienfotos schieben. Und mitunter sind diese drei Themen fotomäßig auch irgendwie verquickt ;-)

August 14, 2013 | Unregistered Commenteralligateuse

Vielen Dank für Deinen Beitrag, genauso empfinde ich auch.

Ich fotografiere gerne in Restaurants, selbstverständlich unauffällig, ohne Blitz und nur mit dem Handy. Das hat noch nie jemand gestört. Die Fotos verwende ich für meine Blogberichte über die Restaurants. Und das mache ich gerne, weil ich der Meinung bin, daß man jeden, der sich Mühe gibt unterstützen sollte.

Meine Erfahrungen damit sind nur positiv.

August 14, 2013 | Unregistered Commenterbushcook

Da ich weder einen Like Button (ohne FB) klicken kann, noch flattrn, mühe ich mich nun mit einem Kommentar ab, was immer eine größere Hürde ist.

Danke für den wunderbaren Beitrag, der mich in einer Phase erwischt, wo der Inhaber einer Bonner Kneipe mich bittet, seinen Namen nicht in meinem Gastroblog zu erwähnen. Er möchte das nicht. Dazu muss man sagen, dass meine Kritik durchaus positiv ist und seine Kneipe eine der bestgehendsten in Bonn. Und der will nicht als Inhaber erwähnt werden? Sehr skurril!

Aber noch skurriler war der Mailwechsel, der in ein weinerliches Geheule überging, wie schlecht es der Branche geht, dass keiner versteht, was die Gastronomen für die Wirtschaft im Land tun und

Ich kann es nicht mehr hören und habe große Erleichterung beim Lesen deines Beitrags verspürt. Danke dafür.

August 17, 2013 | Unregistered Commenterkarin1210

Sehr gut geschrieben! Das Fotografieren ist auf jeden fall eine Würdigung der Leistung des Kochs! Die Gastronomen sollten sich freuen. Leider ist es aber viel leichter über die Gäste zu meckern als zu loben. Und by the way, ich würde zu einem Restaurant, das so ein Schild aufhängt, nicht zurückgehen!

August 25, 2013 | Unregistered CommenterEva Gold

seh ich ganz anders, gerade in den sterne. restaurants ist das abfotografieren der gerichte wirklich eine pest geworden. geschieht naemlich meistens mit! blitz und viel tam-tam. und den gast, der einfach nur in ruhe gut essen will und dieses geniessen will, kann das ganz schoen nerven. ich habe schon dem einen oder anderen restaurant den vorschlag gemacht, dass sie doch einfach den an fotos interessierten gaesten zum abschied eine cd mit den entsprechenden bildern geben. dazu kommt natuerlich noch, dass die meisten food-fotos, sofern nicht von mindestens semi-profis gemacht, immer gruselig aussehen.

Januar 11, 2014 | Unregistered Commenterhenriette

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