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Montag
Apr212014

Paris Marathon: Weckt die Pariser auf!

Jetzt auch noch Migräne. Ne, is klar, das hat ja noch gefehlt. Es ist früher Sonntag Morgen und mein Kopf schmerzt, mein Nacken ist zusammengezogen, mir ist leicht schlecht. 

Das passiert gelegentlich mal, insofern kein Weltuntergang. Nur ist geplant, dass wir in einigen Stunden den Paris Marathon laufen sollen. Und irgendwie passt dieser Migräne-Besuch in eine Vorbereitung, die ohnehin nicht so richtig dolle war. 

Zwei Wochen pausierte jeder von uns wegen Erkältung und einem Darm-Virus. Diesmal gab es bei mir keinen richtig geilen, langen Lauf. So hüpfhüpfhüpfjetztgehtslos-fit ich mich im Herbst vor dem Lauf in Köln fühlte, desto skeptischer bin ich diesmal. 


Immerhin: Ibuprofen Migräne und ein Brioche kriegen mich einiger maßen wieder hin, bevor wir zum Start laufen. Das geht diesmal tatsächlich wortwörtlich, der Start auf den Champs Elysees liegt nur eine Viertelstunde zu Fuß von unserem Hotel entfernt, das Ziel gar noch näher.

Das sei gleich mal lobend erwähnt: Sollten Sie jemals den Paris Marathon laufen und während des Wochenendes komfortabel wohnen wollen, so sei die “Villa Maillot” wärmstens empfohlen. Ein kleines, schlicht gestaltetes Designhotel mit Zimmern, die für Pariser Verhältnisse eine angenehme Größe haben. 

Hier ist man auf Marathonis außerdem vorbereitet: Ob wir laufen würden, fragt der Portier und überreicht uns dann drei Infozettel mit der Startaufstellung, dem Weg zu Start und Ziel sowie einigen Services des Hotels, darunter eine After-Marathon-Massage im sehr kleinen, aber sehr hübschen Spa. Und als wir am Morgen die Lobby betreten. applaudiert die Rezeption und weist uns nochmal den Weg – so geht das mit der Gewinnung von Stammgästen: Die Villa Maillot ist für uns künftig auch für eine normale Paris-Reise definitiv eine Option. 

Wenn Sie also den Paris Marathon jemals laufen, ziehen Sie die “Villa Maillot” in Erwägung. Die Frage ist eher: Sollten Sie in Paris laufen?

Und da kann man geteilter Meinung sein.

Wer zum Beispiel seine persönliche Bestzeit brechen möchte, ist hier falsch. Paris ist ein Massenlauf mit insgesamt 50.000 Teilnehmern – und das merkt man in jeder einzelnen Minute (zugegeben: Für die vorderen Startreihen schließe ich das aus den Bildern). Wer zum Beispiel in der letzten Startgruppe ins Rennen geht (wie wir), wartet vom Startschuss der Eliteläufer ab eine Stunde, bis er über die Startlinie darf.

Egal, die Stimmung ist gut, nicht nur unter den Läufern. Zwei Angestellte des Marriott-Hotels sowie ein Vater mit Sohn in einem Wohnhaus ein paar Meter weiter choreographieren aus den oberen Stockwerken der Haussmann Häuser vor strahlen blauem Himmel die Menge. Paris, wie es schöner nicht sein kann. 


Endlich wird  auch die rosa Startgruppe, also unsere (rosa für die Langsamsten – setzen Sie hier die spöttische Bemerkung Ihres Vertrauens ein), gen Starttor geführt. 9 Uhr 45 – es geht los. Noch ist es luftig um uns herum, denn die breiten Boulevards kommen gleich auf den ersten Kilometern. So wird es nur selten bleiben:  Selbst auf der zweiten Hälfte werden wir Situationen erleben, in denen wir uns durchdrängeln mussten (und wir sind ja nun alles andere als schnell). 

Hinzu kommen die Verpflegungsstationen – alle 5 Kilometer. Was super ist: Wasser gibt es in Paris von Vittel aus kleinen Flaschen. Das sorgt für einen regelmäßigen Flüssigkeitsnachschub, denn sie lassen sich bequem bis zur nächsten Station mitnehmen, was mit den uns bekannten Bechern schon rein überschwapptechnisch nicht funtioniert. Dazu gibt es Bananen in Schale und Orangenviertel (übrigens keine Gels oder Riegel). Das Obst ist zwar lecker, aber die Schalen landen auf dem Boden und sorgen in Kombination mit Kopfstein-Pflaster irgendwann für eine knochengefährdende Glitschigkeit auf der Strecke. Mehr als Gehen ist hier definitiv nicht angeraten

Alles entschädigend gibt es aber eine wunderschöne Strecke – Sightseeing auf 42,195 Kilometern. Von den Champs geht es über den Place Concorde am Louvre vorbei über die Rue Rivoli an der Bastille vorbei raus Richtung Parc de Vincennes. Bei Kilometer 12 zum ersten Mal die Frage: “Warum waren wir hier eigentlich noch nie?” Eindrucksvoll und kalt wirkt das Chateau de Vincennes, definitiv besichtigenswert. Liegt aber weit draußen und war deshalb noch nie auf dem persönlichen Touri-Radar. Auch die große Pferderennbahn von Vincennes sieht man sonst als Wochenendbesucher eher nicht.

Rund 10 Kilometer geht es durch den Park. Vor dem Schloss, kommen plötzlich von hinten Schlachtrufe wie wir sie aus US-Army-Spielfilmen kennen, allerding auf Französisch: “Nous ne sommes pas fatigué!” Und die Menge echot es nach. Wer da so munter vorsingt sind zwei Mittdreißiger, die einen Rollstuhl mit einem Marathoni schieben, der es selbst nicht bewerkstelligen kann. Davon sehen wir mehrere während des Laufs. Hier scheint Inklusion schon weiter als bei uns. 


Bei Kilometer 19. des Marathons verlassen wir den Park wieder Richtung City. Die Halbzeit nahe des Gare de Lyon – eher weniger spektakulär. Erst zwei Kilometer weiter ist der Lauf wieder Sightseeing pur, es geht Richtung Seine. 

Und zwischendrin sind da noch die Steigungen. Davon gibt es eine ganze Reihe. Sicher, das sind keine Berge, aber für so einen Stadtmarathon gibt es einige sehr unangenehme Aufs und Abs, zum Beispiel hier am Fluss. Am Ende wird Runtastic uns noch einmal 50 Prozent mehr Höhenmeter auswerfen als in Köln. Und da waren es ja schon 20 Prozent mehr als in Hamburg. 

Warum das in Paris so viele sind? Weil der Lauf größtenteils auf der Straße stattfindet, nicht an den Spazierwegen. Und die Straßen führen durch ordentliche Tunnelstücke. Damit die nicht so trostlos sind, gibt es aber immer wieder Disco-Teilstücke mit Lichtanimationen und Musik – das wirkt teils wie eine Technoparty – sehr hübsche Idee, sehr motivierend.

Bei der 24 kommt Notre Dame ins Sichtfeld, bei 26 das Musée d’Orsay, zwei Kilometer weiter der Grand Palais und kurz darauf der Eiffel-Turm. Was Paris an Schönheit zu beiten hat liegt weitestgehend auf der Strecke.

Besonderen Wert legen die Veranstalter auf den Kilometer 30. Angeblich soll da der Mann mit dem Hammer warten und entsprechend ist hier Party um selbigen zu vertreiben. Richtig voll und laut und lustig ist es auf der Avenue President Kennedy, so macht Marathon Spaß. 

Doch: Das ist beileibe nicht immer so in Paris. Abgesehen von den Angehörigen der Läufer scheinen sich nicht viele Menschen in der Stadt für den Marathon zu interessieren. Während die Hamburger ihre Frühstückstische und die Kölner die Kölsch-Fässer rausstellen, gibt es in Paris zu viele Passagen, in denen die Strecke voll, die Wege daneben aber komplett leer sind. 

Auffangen sollen dass 100 (!) Bands und Trommlergruppen. Doch ob die einen kicken, ist rein subjektiv. Pariser Sambatrommelformationen sind nämlich nicht rhythmischer als ihre Gegenstücke in Deutschland. Und nach vier, fünf Stunden trommeln, ist die abnehmende Taktgeschwindigkeit massiv auffällig. Ungefähr ab Kilometer 35 scheint die Unterstützung sich parallel zur Ermüdung der Läufer zu entwickeln. Was allerdings vor allem die besonders ermüdeten Läufer bemerken. Bei uns ist diese Meinung zumindest zweigeteilt.

Besser: Rockbands. Unschöner: das Jagdhornbläsercorps im Park de Vincennes (wäre ein Läufer vor ihnen zusammengebrochen, hätten sie ein Halali angestimmt?) und das in Schwarz gewandete Orchester, das bei unserem Vorbeilaufen eine extrem getragene Version von “Goldfinger” vorträgt. 

Mir persönlich wären mehr Zuschauer erheblich lieber gewesen. Erst recht ab Kilometer 32, denn es beginnt eine Phase unter der Überschrift “You run, you learn”. Zum ersten Mal macht mein Magen Probleme, fühlt sich an wie aufgepumpt. Und deshalb nehme ich kein drittes Gel – was ein großer Fehler ist. Denn das zieht mir auf den letzten Kilometern den Stecker, sogar eine Geh-Phase ist nötig. 

Und das alles im Bois de Boulogne, wo kaum noch ein Zuschauer zu sehen ist – wer einen Läufer begleitet, wartet eher im Zielbereich. Der Weg ist voll mit Läufern, sehr viele davon im Geh- und Stretch-Modus, kein Mensch feuert mehr an, das ist psychologisch sehr, sehr unschön. Wo viele schnelle Läufer einen pushen könne viele gehende die eigenen schmerzenden Beine extrem in den Fokus rücken.

Immerhin, der allerletzte Kilometer geht wieder und es wird voller. Doch sind die Straßen nun wieder so breit, dass man sich weit weg fühlt von den Zuschauern. Vielleicht ist das der Grund, warum die so wenig applaudieren. Während in Köln oder Hamburg das Schlussstück auch für Läufer in unserem Zeit-Bereich eine Laufparty ist, bleibt es in Paris eher still. 

Am Ziel warten dafür Cheerleader und die hübscheste Medaille, die wir bisher erhielten. Und: Es gibt ein richtiges (und schönes, Paris ist halt Modestadt Nr. 1) Finischer-Shirt. Sprich: Das wird nicht vorab ausgeteilt sondern nur nach Zieleinlauf verteilt. Das macht die Startgebühr mutmaßlich höher, das Hemd aber ein wenig wertvoller, so rein gefühlstechnisch. Und zumindest bei meiner Mitläuferin war darum Aufgeben von Anfang an keine Option.


Es ist ein zwiespältiger Marathon, was auch die Organisation betrifft. Anmeldung, Verpflegung, Strecke, Helfer top – da gibt es nichts zu meckern. Im Gegenzug gab es wenig Informationen im Vorfeld. Mit einem Mal war da auf Facebook von einer “Convocation” die Rede. Einer was? Das ist eine finale Startbestätigung, die man sich auf der Homepage des Laufs herunterladen muss. Davon aber war vorher noch nie die Rede und die Verwirrung vieler Teilnehmer entsprechend groß. Erst zwei Tage nach dem Facebook-Update gab es einen entsprechenden Erklärungs-Post und irgendwann eine E-Mail.

 

 

 


Ein schöner Lauf ist das also, alles in allem. Aber auch einer, der viel, viel mehr Stimmung verdient hätte. Kann einer mal die Pariser aufwecken?

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Reader Comments (1)

Glückwunsch Ihr Marathonis und Daumen hoch für Eure tolle Leistung.

Was für ein schöner Bericht...da bekomme ich doch glatt Lust beim Parismarathon zu starten!

LG Euer Trainer Philip

April 24, 2014 | Unregistered CommenterPhilip Mes

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