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Sonntag
Feb212016

"Phoenix", Düsseldorf: Diese Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. 

Viel zu wenig tut sich leider in der gehobenen Gastronomie unserer Wohnstadt Düsseldorf – und wenn eher negatives. Das “Victorian” hat seinen Chefkoch verloren und sich selbst unterhalb der bisherigen Ansprüche eingeordnet, das wunderbare “Schorn” sich freiwillig aus dem Sterne-Bereich verabschiedet – das Inhaber-Ehepaar möchte mehr Zeit für die Familie haben. Und das “Monkey’s West” ist mit der Unternehmensgruppe des Kunstberaters Helge Achenbach untergegangen.

Dafür breiten sich die beiden Arme der Saita-Familie mit ihren italienischen Restaurants drastisch aus, manches davon ist gut, manches nicht mal mittelmäßig. Und natürlich Burger-Restaurants, unter denen ein Zickenkrieg ausgebrochen ist. Nach dem Erfolg des Platzhirschen “What’s Beef” nennt sich eines jetzt “It’s Beef” – albern. 

Umso neugieriger waren wir, als ein neues Restaurant angekündigt wurde, das mit reichlich Bugwelle oben mitkochen will: das “Phoenix”. 

Nein, es gibt hier keine Peking-Ente. Das “Phoenix” sitzt in der Architektur-Ikone Dreischeibenhaus, die über Jahrzehnte die Zentrale von Thyssen-Krupp beheimatete. Nach dem Auszug des Stahlkonzerns sanierte der Pharma-Erbe Patrick Schwarz-Schütte (Ratiopharm) mit seinem Immobilienunternehmen das Gebäude und platzierte ins Erdgeschoss das Restaurant, dessen Namen an die ursprüngliche Erbauerfirma des Hauses erinnert.

Als Koch engagierte er Florian Hartmann, der im Restaurant “Philipp Soldan” schon einen Stern erkocht hat und von “Gusto” als “einer der interessantesten Aufsteiger in den vergangenen Jahren” bezeichnet wurde. 

Noch höher waren unsere Erwartungen angesichts des Presse-Bohais im Vorfeld der Eröffnung: renommierte Innenarchitekten, zeitgenössische Kunst, die Schirme der Tischlampen extra gefertigt von einem kleinen Betrieb im Erzgebirge. “Die Welt” verstieg sich in feuilletonistische Schwurbelhöhen: 

“Mit der gleichen Akribie wurde der Bezugsstoff für die Bänke ausgewählt, der zunächst wie ein recht gängiges dänisches Material aus den 60ern wirkt. Tatsächlich ist es eine Faser des italienischen Herstellers Dedar, der eben beim richtigen Licht ein wenig schimmert. Die Sitzbänke schwingen am einen Ende aus, um die rigide Architektur abzufedern.”

Fast sind wir geneigt, nach unserem ersten Besuch in diese Bejubelung einzustimmen. Denn tatsächlich ist es innen wunderschön (leider sind unsere Fotos allesamt nicht brauchbar), beginnend mit der eindrucksvollen Eingangshalle inklusive Tony Craig-Statue und weiter mit dem undefinierbaren, aber geschmackssicheren Mix aus 60s-Ambiente und Neuzeit.

Ja, fast.

Gäbe es da nicht einen Haken: Das “Phoenix” ist keine Leistungsschau des Inneneinrichtergewerbes, sondern ein Restaurant. Und da beginnt das Problem. 

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