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GotoRio  ist die etwas andere Reiseseite im Internet. Sie steht für subjektive Eindrücke und Erlebnisse, und wir, die Autoren, stehen mit unserem Namen zu dem, was wir schreiben. Reisen, Restaurantbesuche, Shoppingtouren sind selbst bezahlt - denn wir sind nicht käuflich.

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Mittwoch
Sep212016

Dins Santi Taura, Mallorca: Ein Stern wird aufgehen

Zweimal in der Geschichte von Gotorio wagten wir die Prognose: Dieses Restaurant wid einen Michelin-Stern bekommen – zweimal lagen wir richtig: einerseits beim “Tafelspitz 1876”, dann beim leider inzwischen geschlossenen “Schorn”

Nun ist es wieder so weit. Wir prophezeien: Das mallorcinische Örchen Lloseta wird bald ein Sternerestaurant beheimaten. Sein Name: “Dins Santi Taura”.

Vor zwei Jahren hinterließ uns dort ein sympathischer Mallorciner in schwarzer Koch-Jacke sprachlos. Santi Taura ist sein Name und so heißt auch das kühl designte Restaurant mit der offenen Küche, in der er ein fantastisches 6-Gänge-Menü servierte – für nur 33 Euro. Vergangenes Jahr waren wir wieder da und waren wieder begeistert. Wer hier einen Tisch möchte, muss in der Touristensaison Monate im vorhinein reservieren, veilleicht gibt es abgesehen vom 3-Sterne-Star “Celler de Can Roca” keinen begehrteren Tisch in Spanien als den im “Santi Taura”.

Doch 33 Euro bringen einen Koch eben nur ein gewisses Stück weit – und Taura hat höhere Ambitionen. In diesem Jahr eröffnete er deshalb das “Dins Santi Taura”. Auch hier serviert er mallorcinische Gerichte mit ausschließlichen Zutaten von der Insel und der umliegenden See. “Kilometer 0” ist das Ziel. 

Doch wo ist das “Dins”? Wir sind verwirrt. Weder gibt es ein Schild über dem Eingang – noch einen anderen Eingang als den des “Santi Taura”. Doch das ist der richtige: Wir werden durch das Stammlokal geführt, dann durch die Küche und durch einen Durchbruch – in das Flachdach-Gebäude daneben, das eine große Garage gewesen sein könnte. 

Dort ist es schlicht und hochdeckig. Zwei lange Bankett-Tische gibt es nur, die offensichtlich variabel gedeckt werden können. Heute sind vier Parteien gebucht mit nicht mal 20 Gästen. Doch das ist hier schon ausgebucht. 

Vor Kopf dieser beiden Tische steht eine Anrichte mit Herd, darüber zwei Bildschirme, auf denen später die Weinkarte erscheint (ein Gimmick, das man sich schenken könnte). 

Der Chef begrüßt uns persönlich und geleitet uns zum Tisch. Und er bleibt uns erhalten: Zwei Drittel aller Gänge serviert er nicht nur, nein, jeder Teller wird ausführlich erklärt.

Es ist die Fortführung des gerade so modischen Thekenkonzeptes, vorgelebt zum Beispiel im Berliner “Nobelhardt & Schmutzig”, bei dem die Gäste um die Tische herumsitzen und abwechselnd vom Service und von Köchen bedient werden. Das “Dins” bringt diese Idee zurück zur Gastlichkeit: Nicht die Gäste kommen zum Koch – andersherum geht es auch und trotzdem ist man dem nah, was in der Küche passiert. 

Wie vielen Köchen geht es Taura darum, die Wurzeln seiner Region zu erkunden und sie mit den Erinnerungen an die eigene Jugend zu verbinden. Und wie er das tut ist meisterhaft und mitreißend sympathisch. Er strahlt eine so ehrliche Begeisterung aus für die Küche seiner Heimat und die Idee, diese seinen Gästen näherzubringen, das man am liebsten die Nacht mit ihm durchquatschen würde.

Den Anfang macht eine Serie von Häppchen, alle nacheinander serviert. In der Tradition der Tapas kommt da eine Garnele mit Tomate und Schinken oder ein Fleischbällchen mit knackigem Sepia. Sobrassada, die leckere mallorcinische Streichwurst, wird als Füllung eines Mini-Burgers serviert. 

“Doch es gibt noch eine andere mallorcinische Wurst”, klärt uns Santi Taura auf, “die haben aber selbst die Einheimischen vergessen.” Sie heißt Frigatella (so wir das richtig notiert haben) und wird uns als Gabelhappen und im Keksmantel serviert – sanft und eine ungewöhnliche Mixtur aus deftig und süß, fettig-weich und knusprig. Die Gabeln stecken auf geschwärzten Wurzeln, “die habe ich selber gesammelt”, sagt Taura – hier sorgt der Koch auch noch für die Tisch-Deko. 

Ohnehin sind die Aromenkombinationen nicht wild, aber mutig. So mutig, dass auch der wunderbare und seit drei Jahren bestens gelaunte Sommelier kapituliert: “Santi macht meinen Job nicht einfach, ehrlich nicht”, sagt er und rollt mit den Augen. Weshalb er uns ein ungewöhnlichs Vorgehen empfiehlt:

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Montag
Jun212010

"Es Baluard", Palma: Mallorca, Du hast das Essen schön

Drei Mal wird der Kopf des jungen John Malkovich zucken. Das muss reichen als Zeichen der sichtlichen Freude über die Anerkennung seiner Gäste gegenüber der Esskultur seiner Heimat.

Na gut, es ist nicht wirklich John Malkovich. Der magere Herr sieht nur ein wenig so aus und ist Service-Chef im Restaurant “Es Rebost d’Es Baluard” zu Palma de Mallorca (oder kurz: “Es Baluard”).

Doch diese kleine Gefühlsregung ist ein Symbol. Ein Manifest. Für den Wandel Mallorcas und den neu erwachten Stolz seiner Bewohner auf ihre Historie. 

(Foto: Shutterstock)

Zum ersten Mal ruckt Malkovichs kurz rasierter Kopf nach oben, als wir ihn um Entscheidungshilfe bitten. Ob denn die Entenbrust besser sei oder das mit - kein Scherz - Huhn gefüllte Spanferkel. “Nun”, sagt er, “wenn Sie etwas ganz typisch mallorcinisches wünschen, dann würde ich Ihnen zum Schwein raten…” Er muss nicht weiter reden - natürlich soll es typisch mallorcinisch sein. Und diese Begründung erfreut ihn offensichtlich. 

Denn über lange Jahre war genau das nicht gefragt. Mallorcinische Küche ist deftiger als die anderer spanischer Regionen. Und jene, die nach Mallorca fuhren wollten das iberische Mittelmaß: Tapas, Paella, Fisch vom Grill. 

Viele der Angereisten glaubten einfach auf einem Stück Land im Meer zu urlauben, dass so ist wie der Rest von Spanien - nur eben auf Deutsch. Eine Düsseldorfer Altstadt mit Sonne, ein Hofbräuhaus mit Strand - sowie der Möglichkeit auf Sangria und “spanischem” Essen. 

So verkam Mallorca. Und ist der Ruf erst ruiniert, ist er schwerlich aufpoliert. Noch immer ist Mallorca eine Insel, die praktisch nur zwei Bilder im Kopf hervorruft: Ballermann oder Finca. 

Jene, die Balneario zu Ballerman verbalhornen, fahren entweder genau deshalb nach “Malle” - oder gerade nicht. Noch immer glaubt ein nicht unerheblicher Teil der deutschen Bevölkerung, Mallorca bestehe aus S’Arenal und Sangria in Tankermengen, aus “10 nackte Friseusen” und “Du hast die Haare schön”. 

Die anderen wissen, dass dies nur ein kleiner Teil der Insel ist - und fahren genau deshalb gern hin. Mallorca, das ist für sie eine Sehnsuchtsinsel. Nicht wenige, die davon träumen dort ein Appartment oder eine Finca zu besitzen. Sie wissen, wie schön die Berge im Westen sind, wie herrlich der Blick vom Kloster in Valdemossa. Wie eindrucksvoll die mittelalterliche Feste von Alcúdia daher kommt.  Wie sehr der Anblicke der nächtens erleuchteten Kathedrale von Palma den Atem raubt - immer wieder. 

(Foto: Shutterstock)

Wer es mehr mit der Kunst hat, findet Zeitgenössisches im “Es Baluard” (neben dem jenes Restaurant mit Malkovich-Bedienung liegt) oder in der Fondacion Miró, wo die Ateliers von Joan Miró fast so wirken, als sei der große Meister nur eben einen Café con leche trinken (na gut, ein wenig aufgeräumt hat schon jemand).

Die erste Generation jener Mallorca-Verliebten schuf Finca-Ansammlungen wie den Hamburger Hill nahe Santanyi, wo sich das norddeutsche Geld eingefunden hat. Die zweite wertete die Insel Stück für Stück auf.

Denn mit dem Geld kam der Hunger nach mehr als Mittelmaß. Inzwischen ist Mallorca voll mit guten Restaurants.

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